Umgebung

Neben einem Besuch im Georg Kolbe Museum lädt die Umgebung rund um Heerstraße und die Sensburger Allee zu einem Abstecher in den nahe­ge­legenen Kolbe-Hain, einem Besuch des Wald­fried­hofs Heerstraße oder des Olympia­parks ein. Auch bedeutende Architektur­denk­mäler wie Le Corbusiers „Unité d’Habitation“ oder Hans Poelzigs Haus des Rund­funks liegen in Lauf­distanz, beliebte Ausfugsziele wie der Drachenberg, Teufel­sberg und Teufelssee sind auf einem Spazier­gang oder mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Neuer­dings lässt sich das Westend auch mit dem Audio­walk „Kolbes Kiez“ erkunden. Der stadt­kritische Spazier­gang besteht aus 15 Hörbildern und ist Teil des hybriden Stadt­er­kundungs­formats „Kolbe außer Haus“. Neben ikonischen Architekturen führt er auch an weniger bekannte interes­sante Orte in der Nach­barschaft des Museums – einer Gegend, die mehr zu bieten hat, als manch eine*r denkt.

1/5 Der Kolbe-Hain, 2021, Foto: Enric Duch
1/5 Unité d'Habitation Typ Berlin, 2020, Foto: Enric Duch
1/5 Der Drachenberg, 2021, Foto: Enric Duch
1/5 Haus des Rundfunks, 2021, Foto: Enric Duch
1/5 Olympiapark, 2021, Foto: Enric Duch

Kolbe-Hain

Der Kolbe-Hain ist in wenigen Schritten vom Museum aus erreichbar. Er liegt in einer eis­zeit­lichen Rinne, was die bau­liche Nutzung erschwerte. Ausgehend von den Be­bau­ungs­plänen Joseph Stübbens von 1911 entschied man sich, einen Teil des Gesamt­areals als öffentliche Park­anlage zu gestalten; diese wurde im Jahr 1957 – zum zehnten Todestag des Künstlers – in Kolbe-Hain umbenannt. Zwischen 1959 und 1965 wurden fünf große Bronze­skulpturen aus dem Spät­werk des Künstlers aufgestellt. All diese Bronzen wurden posthum als Unikate gegossen. Die erste Museumsleiterin nach Kolbes Tod, Margrit Schwarzkopff, die zuvor als seine Fotografin und später auch als Assistentin gearbeitet hatte, wählte die Figuren aus und gab sie – wie zu Kolbes Leb­zeiten – bei der Gießerei Noack in Auftrag: die Kniende (1942), der Stürzende (1940/42), Dionysos (1931/36), Mars und Venus (1939/40) und die Große Liegende (Ruhende Frau, 1939/41).

Corbusierhaus

Das Corbusierhaus, eine sogenannte „Wohnmaschine“ wurde vom französisch-schweizer Architekten Charles-Édouard Jeanneret-Gris, genannt Le Corbusier, in Bauhausnachfolge als „vertikales Dorf“ anlässlich der Internationalen Bauausstellung 1957 entworfen. Das 14 geschossige Gebäude mit seiner radikal modernen Architektur und einer auffälligen Farb­gestaltung sollte ursprünglich im Hansaviertel gebaut werden, aufgrund seiner Größe wurde es dann aber am Stadt­rand realisiert. Es wurde nach den Vor­schriften des sozialen Wohnungs­baus gegenüber den ur­sprüng­lichen Plänen des Architekten modifiziert, der sich durch diese gravierenden Eingriffe später von dem aus­geführten Gebäude distanzierte. Das aufgrund seiner harten Modernität immer auch um­strittene Hochhaus zählt zu den großen Ikonen der Berliner Nach­kriegs­architektur, heute leben in den rund 500 zumeist kleinen Wohnungen zahlreiche Schriftsteller*innen, Künstler*innen und Architekt*innen.

Haus des Rundfunks

Der erste große Funkhausbau Europas, das Berliner „Haus des Rundfunks“, entstand 1929-1931 nach den Plänen des Architekten Hans Poelzig. Der fünfgeschossige Bau mit seiner un­gewöhn­lichen dreieckigen Grund­riss­lösung stellte damals eine völlig neuartige Bauaufgabe dar. Eine zentrale Rolle innerhalb des architektonischen Gesamt­konzeptes kommt den weit­räumigen recht­eckigen Lichthof am Haupt­eingang an der Masurenallee zu. Ent­sprechend repräsentativ und vergleichs­weise aufwändig gestaltet, beeindruckt er vor allem durch die besondere Farbigkeit der verwendeten Bau­materi­alien. Die künstler­ische Aus­stattung des ansonsten leeren Raumes beschränkte sich dagegen auf die Auf­stel­lung der Bronze­skulptur Große Nacht (1926) von Georg Kolbe im Erdgeschoss. Für den preußischen Kultus­minister Adolf Grimme (nach dem später der Grimme Preis benannt wurde) ver­körperte sie das „Emporschweben der Radiowellen“.

Waldfriedhof Heerstraße

Der interkonfessionelle Friedhof Heerstraße gehört auch heute noch zu den schönsten Friedhöfen Berlins. Der ca. 15 ha große Friedhof wurde zwischen 1921 und 1924 nach den Plänen des Berliner Garten­bau­direktors Erwin Barth errichtet und im Jahr 1925 in Betrieb genommen. Er erstreckt sich über eine hügelige Wald- und Wiesen­land­schaft mit dem Sausuhlensee im Zentrum, um dessen Senke sich die Grabstätten terrassen­förmig gruppieren. Zahlreiche prominente Persön­lich­keiten wurden hier beigesetzt, etwa Paul Cassirer (gest. 1926), einer der bedeutendsten Kunst­händler vor dem Ersten Weltkrieg, der in seinen Aus­stel­lung­en immer wieder auch Arbeiten Kolbes zeigte und bereits 1913 einen Bildband mit dessen Werken herausgab; des Weiteren Joachim Ringelnatz (gest. 2011) und Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow – kurz Loriot – (gest. 2011).