Tilla Durieux

Eine Jahrhundertzeugin und ihre Rollen

13. Mai 2023 – 20. August 2023

1/2 Herman Haller, Tilla Durieux, 1917
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Sie war gefeierter Theater- und Filmstar, politische Aktivistin, künstlerische Visionärin und wohl eine der meistporträtierten Frauen ihrer Zeit. Die Rollen von Tilla Durieux (1880–1971) waren ebenso vielfältig wie auch die Liste der Künstler*innen, denen sie Modell saß, die sie inspirierte:  Max Slevogt, Lovis Corinth, Frieda Riess, Franz von Stuck, Ernst Barlach, August Gaul, Emil Orlik, Oskar Kokoschka, Auguste Renoir, Lotte Jacobi. Bis heute hat die Faszination für diese außerordentliche Künstlerin nicht nachgelassen. Das Georg Kolbe Museum widmet der vielseitigen Persönlichkeit und ihrem bewegten Leben 2023 eine umfassende Ausstellung.

Die in Wien geborene Ottilie Helene Angela Godeffroy wollte seit ihrer Kindheit zur Bühne und änderte dafür ihren Namen in Anlehnung an den Geburtsnamen der Großmutter zu Tilla Durieux. Nach einer Schauspielausbildung in ihrer Heimatstadt schaffte es Durieux über Stationen in Olmütz und Breslau 1903 auf die Bühne des Intendanten und Regisseurs Max Reinhardt in Berlin. Nach einigen kleineren Rollen gelang ihr mit dem Part der Salomé in Oscar Wildes gleichnamigen Stück der Durchbruch – und der Mythos Tilla Durieux war geboren. Es folgten Engagements in allen wichtigen Häusern Europas und neue, herausfordernde Rollen – nicht nur auf der Bühne, sondern auch vor der Kamera.

Tilla Durieux war Zeit ihres Lebens sozial und politisch engagiert. 1933 floh sie über die Schweiz nach Kroatien, wo sie in Zagreb den Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv unterstützte. Erst 1952 kehrte sie nach Berlin zurück und setzte ihre beeindruckende Karriere als Schauspielerin auf der Bühne sowie im Film fort. Sie verstarb 1971 im Alter von 90 Jahren und wurde auf dem Friedhof Heerstraße begraben, wo schon Paul Cassirer, ihr zweiter Ehemann, aber auch Georg Kolbe ihre letzte Ruhestätte fanden.

Die Ausstellung im Georg Kolbe Museum wird anhand zahlreicher Kunstwerke von bedeutenden Künstler*innen und Dokumente aus dem Nachlass Tilla Durieux‘ – von dem Teile im Georg Kolbe Museum beherbergt sind – ein aufregendes Panorama dieses fulminanten Lebens sowie der Kultur- und Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts erlebbar werden lassen.

Die Ausstellung wird von der Kunsthistorikerin und Kritikerin Daniela Gregori kuratiert und entstand in Kooperation mit dem Leopold Museum, Wien.

Ein vielseitiges Rahmen- und Vermittlungsprogramm wird die Ausstellung im Georg Kolbe Museum begleiten.