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Noa Eshkol

15. März 2024 – 25. August 2024

1/2 Noa Eshkol, Circle of Fire, 1996 Wolle, Seide, Baumwolle, Kunstfaser, 272 x 190 cm © The Noa Eshkol Foundation for Movement Notation, Holon, Israel Foto: Jens Ziehe, Berlin courtesy The Noa Eshkol Foundation for Movement Notation, Holon, Israel, and neugerriemschneider, Berlin
1/2 Noa Eshkol, The First Carpet, 1973, Baumwolle, Seidentwill, Viskosekrepp, Viskosetaft, Synthetikjersey, Perlmuttknopf, 209 x 138,5 cm © The Noa Eshkol Foundation for Movement Notation, Holon, Israel Foto: Jens Ziehe, Berlin courtesy The Noa Eshkol Foundation for Movement Notation, Holon, Israel, and neugerriemschneider, Berlin

„Die Eshkol-Wachman-Bewegungsnotation ist ein Denkwerkzeug, das Menschen die Kunst des Beobachtens lehren kann, d.h. sie dazu ermutigen kann, nach der höchsten Ebene des Sehens zu streben. Dazu organisiert sie das ‚Material‘, das als Bewegungen des menschlichen Körpers bekannt ist, in relativ einfachen Kategorien und ermöglicht uns so eine Ein-Sicht in die Komplexität dieses Phänomens als Ganzes.“ – Noa Eshkol   

Für die israelische Tänzerin, Choreografin und Künstlerin Noa Eshkol (1924, Kibbuz Degania B, Völkerbundmandat für Palästina – 2007, Cholon, Israel) sollte Tanz ohne Bühnenbild, Kostüme oder Musik ausgeübt werden – die absolute Konzentration auf das Wesentliche war ihr Ziel. Körperteile werden in ihren choreografischen Stücken wie separate Instrumente behandelt. Jedes einzelne hat dabei seine eigenen Spielräume und Möglichkeiten. Mit einem tiefen Verständnis für den Körper und Räumlichkeit entwickelte Eshkol choreografische Werke, die sie in einem einzigartigen Notationssystem kodierte, das sie 1954 gemeinsam mit dem Architekten Ayraham Wachmann entwickelte: die Eshkol-Wachmann Notation (EWMN). Den Gegenpol zu ihren minimalistischen Choreografien und grafischen Tanznotationen bilden großformatige und farbintensive Wandteppiche. Ab 1973 und mit Ausbruch des Jom-Kippur-Krieges begann Eshkol diese abstrakten textilen Kompositionen aus gesammelten und gespendeten Stoffresten zu kreieren. 

Die Noa Eshkol Foundation for Movement Notation in Holon und das Ensemble der Chamber Dance Group bewahren ihr einzigartiges Erbe, welches in Deutschland noch zu wenig bekannt ist. Im Jahr 2024 wäre Noa Eshkol 100 Jahre geworden. Das Georg Kolbe Museum präsentiert aus diesem Anlass eine Ausstellung, die das Leben und Werk dieser wegweisenden Choreografin und Tänzerin zeigt und damit die für das Museum so wichtigen Themen, wie den modernen Tanz und die Architektur der Moderne, neu erlebbar macht. Im Fokus stehen Eshkols Bewegungsforschungen seit den 1950er Jahren, Choreografien, Sprachstudien, Tänze, Textilkunst und das von ihr entwickelte Notationssystem für menschliche und tierische Bewegungen. Einen Einblick zum Thema Tanz in der Weimarer Republik, Anknüpfungspunkte und Brüche gibt eine ergänzende Sammlungspräsentation des Museums. 

Eshkols Arbeiten inspirierten zahlreiche zeitgenössische Künstler*innen. Die multimedialen Werke Sharon Lockharts (*1964, Norwood, Massachusetts, USA) und Yael Bartanas (*1970, Kfar Yehezkel, Israel) stehen den Arbeiten Eshkols gegenüber. Neu entstehende Auftragsarbeiten der zeitgenössischen Künstlerinnen Eszter Salamon (*1970, Budapest, Ungarn) und Ayumi Paul (*1980, Giessen, Deutschland) erweitern die Ausstellung. Eine eintägige Online-Konferenz erkundet Möglichkeiten des digitalen Raums für monografische Künstler*innennachlässe und ihrer Vermittlung. 

Eine gemeinsame Neupublikation der ersten Eshkol-Wachmann Bewegungsnotation mit den KW Berlin schlägt die Brücke zwischen den im Sommer 2023 stattgefundenen Aufführungen der Chamber Dance Group in den KW und der Ausstellung im Georg Kolbe Museum 2024. Das Buch wird im Februar 2024 vorgestellt werden. 

Im Rahmen der Ausstellung findet am 23.04.2024 ein digitaler Workshop zum Thema Activating a Collection. Artists’ Estates in the Digital Space. Hier finden Sie den Call for Papers (Einsendeschluss: 26.11.2023)